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    Nachruf für Kollegen Peter Heller

    Erwerbslose

    Nachruf für Kollegen Peter Heller

    Gerade als für unseren Kollegen Peter Heller die Rückkehr in das Erwerbsleben bevorstand, machte ihm der Tod einen Strich durch die Rechnung.

    Am Morgen des 28. Januar 2011 verstarb Kollege Peter Heller für uns alle unerwartet im 58. Lebensjahr.

    Er hinterlässt seine Lebensgefährtin, einen erwachsenen Sohn und sein geliebtes Enkelkind.

    Peter Heller war Gewerkschafter mit Leib und Seele.

    1990 mit der Gründung freier Arbeitnehmervertretungen in den ostdeutschen Betrieben wurde Peter Heller zum Betriebsratsvorsitzenden in der Leipziger Rethmann-Niederlassung gewählt. Er hatte das Vertrauen der Beschäftigten, so dass er auch Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates von Rethmann Ost wurde.

    Und er hat seine Arbeit gut gemacht, so gut, dass die Geschäftsführung von Rethmann alles daran setzte, ihn loszuwerden. Leider schaffte sie das auch, indem sie die Niederlassung in Leipzig schloss. Peter verlor seinen Kampf um den Arbeitsplatz und musste Mitte der 90er Jahre in die Arbeitslosigkeit gehen.

    Nachdem er als Betriebsrat bereits in der ÖTV aktiv war, wurde nun die ÖTV, später die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft seine Heimat als engagiertes Mitglied.

    In der gewerkschaftlichen Erwerbslosenarbeit machte er aus der Not eine Tugend. Er war in der ÖTV in verschiedenen ehrenamtlichen Gremien aktiv.

    In der ver.di, als Nachfolgerin der ÖTV, war er ab ihrer Gründung Vorsitzender des Landeserwerbslosenausschusses in Sachsen, später auch in dem größeren Landesbezirk Sachsen-Sachsen/Anhalt-Thüringen. Zunächst als Mitglied des Vorstands des Bundeserwerbslosenausschusses, später dann als Vorsitzender, bestimmte er lange Jahre die Erwerbslosenarbeit der ver.di entscheidend mit. Peter achtete darauf, dass die Nöte der prekär Beschäftigten und der Arbeitslosen gemeinsam angeangen wurden.

    Peter Heller verlor nie die Not anderer aus dem Blick. Nie bemitleidete er sich selbst. Peter ging das Leben optimistisch an, auch wenn sich Stellenangebote wieder zerschlugen, er Arbeitslosenhilfe beziehen musste, später Hartz-IV-Empfänger wurde. Er sah hinter seinem persönlichen Schicksal immer die Folgen einer Politik, die von Menschen gemacht wurde und damit beeinflussbar ist.
    Daher rührte sein unermüdlicher Kampf gegen Gesetze, die mehr Armut brachten, sein Engagement in sozialen Bündnissen, die ab 2004 die Montagsdemonstrationen gegen die Agenda-2010-Politik in Leipzig aus der Taufe hoben.

    Ganz konkrete Unterstützung gab Peter als Gründungsmitglied und dann Vorsitzender des Vereins „Helfende Hände“. Das Projekt lebte durch sein Engagement und vielzählige Spenden. Für hunderte armer Menschen ist es eine feste Größe, um den Kindern mal etwas außerhalb des Regelsatzes gönnen zu können.

    Als Sozialberater gab Kollege Heller Gewerkschaftsmitgliedern wichtige Informationen und praktische Hilfe, wie sie sich gegen die Auswirkungen der Hartz-IV-Gesetzgebung zur Wehr setzen konnten.

    Und Peter behielt sein Wissen, dass er sich in den vielen Jahren als selbst von Arbeitslosigkeit Betroffener erworben hatte, nicht für sich. Als Teamer erwarb er sich einen Ruf, der Workshops zu Aktionen vor Ort und Seminaren zum Arbeitslosengeld (Alg I und Alg II) viel Substanz und einen großen Zulauf verschaffte.

    Nun bleibt eine Lücke.

    Wir werden ihn als Menschen vermissen, der sich nie aufgab, sich nie dem Schicksal, erwerbslos zu sein, ergab.

    Peter Heller war ein Kollege im Wortsinne – anteilnehmend, praktisch im Handeln, immer mit Ideen versehen, voller Optimismus, egal wie es um ihn selbst stand.

    Wir werden Peter vermissen.

    ver.di-Landesbezirksleitung SAT
    Thomas Voß, Sabine Lange, Kerstin Raue

    ver.di-Bezirk Leipzig-Nordsachsen
    Ines Jahn