Mit dem Mikrophon an die Basis

    NoJob.FM Radioshow
    Eine Radiosendung des Erwerbslosenausschusses Halle beim Bürgerradio Radio Corax

    von Birgit Tragsdorf

    „No Job FM, die Sendung für Arbeitslose und solche, die es werden können.“ Einmal im Monat, jeden vierten Montag um 19 Uhr meldet sich Kurt Bartaune so bei seinen Hörern. Seit drei Jahren hat der Erwerbslosenausschuss von Halle diesen Sendeplatz beim Bürgerradio corax. Das 24-Stunden-Radio wird von Ehrenamtlichen gemacht, die Sendetechnik stellt die Landesmedienanstalt des Landes Sachsen-Anhalt zur Verfügung.

    NoJob.FM Radioshow
    Foto/Grafik: ver.di Lbz. SAT (Erwerbslose)

    Michael Wengorz (li.) und Kurt Bartaune (re.)
    machen Radio nicht nur für Erwerbslose

    50 Minuten Sendezeit sind zu füllen. Kurt Bartaune und Michael Wengorz planen Anfang eines jeden Monats den Inhalt. Im Moment tun sie dies zu zweit, aber sie hatten in der Vergangenheit immer zwei bis drei weitere Mitstreiter. Das soll auch in Zukunft wieder so sein. Beide sind schon länger arbeitslos, sind engagiert im Erwerbslosenausschuss und haben mit dem Radiomachen etwas gefunden, was ihnen richtig Spaß macht und womit sie den anderen helfen können und wollen.
    Mit ihrem Programm möchten sie dazu beitragen, den Widerspruch aufzuzeigen, der sich zwischen Politik, Gesetzgebung und dem wirklichen Leben der Betroffenen gestaltet.
    Für jede Sendung wählen sie ein Schwerpunktthema aus. Es sind die Fragen, die sich um den Arbeitsmarkt, vom ersten bis dritten, drehen, die Bilanz ziehen über Hartz IV und vor allem genau hinhören, wenn es um die Ein-Euro-Jobs oder Bürgerarbeit geht.
     
    Micha und Kurt, so kennen sie ihre Hörer, teilen sich die Arbeit auf: Micha Wengorz ist gern mit dem Mikrophon und Aufnahmegerät unterwegs: O-Töne sammeln, wie es im Radiodeutsch heißt. Und so erfahren die Hörer von Micha und von direkt Betroffenen, dass die Ein-Euro-Jobs reguläre versicherungspflichtige Arbeit verdrängen. Im vergangenen Jahr musste er in einem Bauhof in Halle gemeinsam mit ABM-Kräften, mit Ein- Euro- Jobbern und anderen prekär Beschäftigten arbeiten. Der kommunale Kombilohn und Niedriglohnarbeiten sind für ihn wichtige Themen und bringen ihm neue Beispiele, wie Marktwirtschaft nicht sozial funktionieren kann.
    Argumente der Politiker, der Entscheidungsträger auf den Veranstaltungen, bei denen es um Arbeit und Soziales geht, sind so oft weit weg von der Realität. Dies zu vermitteln und Anleitung zum Handeln zu geben, motiviert Michael Wengorz. Und er kniet sich da engagiert rein und ist auch bissig in seinen Argumenten.

    Kurt Bartaune hält die Fäden der Sendung zusammen, er begleitet durch die Sendezeit, arbeitet Material des MDR zu sozialpolitischen Themen auf, lässt Politiker zu Wort kommen und dies nicht unkommentiert. „Ich will Stachel sein, meine Meinung sagen“, beschreibt er sich. Auf Themensuche ist er so ziemlich den ganzen Tag, im Radio, im Internet und wenn er einfach nur mit offenen Augen und Ohren durch seine Stadt geht oder an Veranstaltungen teilnimmt. Nicht Ämter und Funktionen beeindrucken ihn, mit den Argumenten will er sich auseinandersetzen. Die Diskussion um den Wert der Arbeit, den öffentlichen Beschäftigungssektor und auch die Würde der Menschen bringt er in die Sendung. Es stört ihn gewaltig, welches Bild von Arbeitslosen in der Öffentlichkeit gezeichnet wird: nicht marktfähig, unqualifiziert und von wenig Lust auf Arbeit bestimmt. Das bietet ihm schon genug Stoff zum Widerspruch.
    Kurt und Micha, die Radiomacher, wissen nicht genau, wie groß ihr Hörerkreis ist, terrestrisch sind sie in Halle und Umgebung rein theoretisch von 300.000 zu empfangen, auch im Internet kann man sie hören.

    Jeden vierten Montag um 19.00 Uhr
    beim Bürgerradio corax, 95,9 Mhz www.radiocorax.de

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