Fachgruppe Sozial-, Kinder- und Jugendhilfe

    Kreative Aktion: „Not my job!“ auf dem Boulevard in Halle

    Kreative Aktion: „Not my job!“ auf dem Boulevard in Halle

    Möchten Sie unter diesen Bedingungen als Erzieher arbeiten?
    Die Gewerkschaft ver.di vertritt in Sachsen-Anhalt Süd unter anderem auch die Interessen der Beschäftigten im Bereich der Kindertagesstätten und Horte und veranstaltete gemeinsam mit seinen aktiven Mitgliedern aus diesem Bereich eine Aktion zum Tag der Daseinsvorsorge am Dienstag, dem 23.06.2020 ab 16:00 Uhr an der Ulrichskirche.

    „Der Tag der Daseinsvorsorge wurde von der Arbeitgebervereinigung ‚Verband kommunaler Arbeitgeber (VKA)‘ erstmals 2017 ins Leben gerufen. Wir wollen mit unserer Aktion den Blick an diesem Tag auch auf Arbeitnehmer*innen-Interessen legen.“ äußerte sich Sylvia Weiß, eine der beteiligten Akteure. Der Name der Aktion ist mit „not my job“ bewusst provokativ gewählt, um zu verdeutlichen, wie unattraktiv viele Menschen den Beruf des Erziehers empfinden.

    Mit der Corona-Pandemie, Home-Office und Home-Schooling rückten die aktuellen Verhältnisse und die Notwendigkeit einer qualitativhochwertigen Kinderbetreuung, erneut in den allgemeinen gesellschaftlichen Fokus. Der Wert der Arbeit in diesen Bereichen scheint neue Höhen erreicht zu haben. Ein Wert, der sich in den Arbeitsbedingungen nicht widerspiegelt. „Häufig müssen unsere Kolleginnen und Kollegen zusätzlich einen Nebenjob annehmen, um ihre monatlichen Kosten zu decken. Die Ausbildungsbedingungen bleiben seit Jahren so unattraktiv, dass eine ausreichend dicke Personaldecke und ein gesunder Betreuungsschlüssel in den Einrichtungen ein ideelles Fernziel zu bleiben scheinen“ berichtete Johannes Mielke, zuständiger Gewerkschaftssekretär der ver.di in Sachsen-Anhalt Süd.

    Sylvia Weiß ergänzte: „Vielen Menschen ist nicht klar, dass hierunter langfristig auch die pädagogischen Aspekte der Kinderbetreuung leiden. Wir alle wünschen uns die bestmögliche Bildung und Förderung aller Kinder. Dazu sind wir auch gerne bereit an den verpflichtenden Weiterbildungsmaßnahmen teilzunehmen. Hier müssen für alle Träger und ihre Beschäftigten realistische und allgemeingültige Rahmenbedingungen geschaffen werden.“ Dies seien nur einige große Hürden die in diesem Bereich schnellstmöglich genommen werden müssen.

    Mit Bodenzeitungen, einem Aktionsstand, Redebeiträgen der Beschäftigten und Grußworten der ver.di Bezirksgeschäftsführerin, Simona König, sowie dem Landesfachbereichsleiter, Detlef Heuke, sollten die Menschen aufgeklärt, Verständnis in der Bevölkerung geschaffen und zum Gespräch eingeladen werden.

    „Die meisten Probleme waren auch vor der Corona-Pandemie vorhanden, sie wirkt nur als Katalysator. Hohe Arbeitsbelastung, unattraktive Ausbildungsbedingungen und fehlende Kapazitäten bei Personal und Räumlichkeiten sorgen schon lange für Probleme in unseren Bereichen. Hier tun die Gesetzgeberinnen in Bund und Land noch viel zu wenig“ sagte Sylvia Weiß mit Blick auf das neue Gute-KITA-Gesetz für Sachsen-Anhalt. Ein Grund zum Feiern - wie weite Teile der Landesregierung - sehe sie hier nur begrenzt. Zwar sei bei der Entlastung der Eltern ein wirklicher Fortschritt gelungen, mit Blick auf die Beschäftigten erklärt sie aber: „Aus den wohlklingenden gesetzlichen Begriffen ‚praxisintegrierte Arbeit, Praxisanleitung und Perspektive‘ droht, bei der aktuellen Planung Pleiten, Pech und Pannen zu werden. Noch ist nicht transparent nachvollziehbar, ob und in welcher Höhe die angekündigten Mittel bei den Beschäftigten ankommen. Sei es über die Entlohnung oder bei der Förderung der beruflichen Weiterbildung. Auch die praktische Umsetzung, wie die Einrichtung sogenannter Praxisanleiter, scheint bisher nicht bis zu Ende gedacht. Wir müssen endlich attraktive Ausbildungs-, Weiterbildungs- und Arbeitsbedingungen schaffen und diese auch entsprechend finanziell ausstatten. Nur bei neuen Gesetzesbüchern darf es nicht bleiben.“